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Wismar: Alte Malzfabrik soll Wohnhaus für Senioren und Studenten werden

OZ vom 20.12.2019

Gute Nachrichten: Die „Wismaria“, die alte Malzfabrik an der Wismarer Hochbrücke, hat einen neuen Eigentümer. Vor ehemaligen Kollegen aus dem DDR-Unternehmen hat Wolfgang Röhr seine Pläne vorgestellt.


Die frühere Getränkefabrik Wismaria am Platten Kamp in Wismar Quelle: Hoffmann Heiko

Wismar

Es gibt Applaus für Wolfgang Röhr. An den Kaffeetischen im Restaurant „Lübsche Thorweide“ sitzen ehemalige Kollegen aus dem VEB „Wismaria“, die dem Unternehmer und seinen Plänen gespannt zuhören. Er ist der neue Eigner der alten Malzfabrik, die seit Jahren an den Wismarer Bahngleisen zerfällt. Röhr will aus dem „Schandfleck“ ein Wohnprojekt machen.

Investor aus Hamburg

Der Investor aus Hamburg hat Erfahrung mit schwierigen Objekten. Von 2010 bis 2014 hat er das Schloss Bernstorf saniert und es damit gerettet. Er hat es auch einer neuen Nutzung zugeführt – das Schloss ist ein Hospiz geworden.

In Wismar plant er etwas anderes: „Die Idee ist, dass dort ein Mehrgenerationenquartier entsteht. Wohngemeinschaften für Senioren, Mikro-Appartements für Studenten, Büroräume für Start-ups, dazu ein Café und ein Campus für die Begegnung zwischen den Generationen“, erläutert der Unternehmer seine Pläne.

Erfahrung im Bereich

Mit seinem Unternehmen „Villa Vitalia“ hat er sich auf die „Konzeption, Planung und Entwicklung von innovativen Wohnparks und Quartieren“ spezialisiert, den „Zielgruppenschwerpunkt“ bilden Senioren und pflegebedürftige Menschen im Mehrgenerationenwohnen.

„Das sind erst einmal unsere Vorstellungen“, erklärt der Unternehmer. Nun müssen die Gespräche geführt und die Pläne konkretisiert werden. Immerhin ist die Ruine denkmalgeschützt. Um die 10 000 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche hat das Gebäude mit seinen Nebengebäuden.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

„Wismar wächst und braucht neuen Wohnraum, neue Ideen und Konzepte“, fasst Dr. Wolfgang Röhr zusammen. Und: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!“, das habe er in Bernstorf gelernt. Der bisherige Eigner habe, so Röhr, wenig zum Erhalt des Denkmals beigetragen.

So wurde das stattliche Gebäude zum Schandfleck, was in Abrissplänen bei einem Hochbrückenneubau gipfelte. Dagegen regte sich Widerstand. So kam der Wismarer Thomas Kibelksties dazu, über die Geschichte der Wismaria zu forschen.

Brigadetreffen nach 30 Jahren

Thomas Kibelksties hatte den Investor und die ehemaligen Mitarbeiter zum ungewöhnlichen Treffen eingeladen. Ältester Gast war Emmi Schreiber, 103 Jahre alt. In der Wismaria hat sie „am Band“ gearbeitet und einige ehemalige Kollegen wiedererkannt.

„Das war meine Vorarbeiterin“, freute Wolfgang Nowack (69) sich beim Wiedersehen. 1968 hat er beim VEB Wismaria angefangen und dort seine Frau kennengelernt. Das Paar feiert bald die goldene Hochzeit!

Die Malzfabrik ist 1898/99 einst als die zweitgrößte in Mecklenburg gegründet worden. 1901 ist die Betriebszufahrt gepflastert worden, die ab 1906 den Namen „Platter Kamp“ erhielt. Nach 1945 ist zu einem Abfüllbetrieb für Bier umgebaut worden.

Geschichten gesucht!

Für die Menschen war es ein Wiedersehen mit alten Fotos und den Geschichten aus der gemeinsamen Arbeitszeit. „Eine tolle Zeit“, kommentierte Rolf Baustian (69). 1973 fing er als Betriebselektriker im VEB an, 1990 war er der letzte Betriebsleiter in der Wismaria, damals schon zu „Coca Cola“ gehörend.

Thomas Kibelksties möchte all die Geschichten aus der Wismaria-Zeit aufschreiben für ein Buchprojekt, auch dafür hat er Kontakte geknüpft. Im Stadtarchiv hat er schon geforscht. Allerdings fehlen dort besonders für die 1970er und 1980er Jahre Fotos und Dokumente, nicht nur in Bezug auf den VEB Wismaria.

„Vielleicht haben die Menschen noch Unterlagen und Fotos von damals?“, so seine Hoffnung. Man kann ihn unter Telefon 0157-729 33 099 kontaktieren. Die Geschichten der ehemaligen Wismarer-Mitarbeiter will er aufschreiben, daraus könnte ein Buch werden.

Wismaria-Fasching

„Der Wismaria-Fasching war stadtbekannt“, erzählte Wolfgang Möller (68). Davon hat er noch Fotos und freut sich nun, die Leute dort wiederzuerkennen. Wolfgang Möller fing 1973 als Leergutstapler beim VEB an, 1989 war er Produktionsleiter. Im „Club junger Neuerer“ wurde er dazu vergattert, Erfindungen zur Steigerung der Produktivität zu machen.

Von den Feiern erzählen die Kollegen immer wieder, genauso von den Freundschaften und der Kollegialität. „Ich habe mit 56 Frauen als Meister gearbeitet“, schmunzelt Wolfgang Möller. Eine Herausforderung war es immer, die Schichten so zusammenzubekommen, dass die „Cliquen“ stimmten.

Rote Brause beliebt

Marion Hauswald (85) arbeitete als Laborleiterin und erzählt von der Produktion damals. Erst nur Selters, dann Limonade. „Die Russen waren ganz begeistert von unserer roten Limonade“, erinnert Marion Hauswald sich. Das Bier kam aus Rostock und wurde in Wismar abgefüllt. Auch die Fruchtsäfte wurden in der Wismaria abgefüllt.
Über die Autorin
Von Nicole Hollatz

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