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Wie ein Märchenschloss aus dem Dornröschenschlaf erwachte

Aus Nordwestmecklenburg gibt es viele Buchtipps. Eines erzählt die Geschichte des Schlosses in Bernstorf: der Weg von einer Ruine zum Hospiz. Geschrieben haben es der Geschäftsführer Wolfgang Röhr, seine Tochter Isabelle und Grevesmühlens Ortschronist Eckart Redersborg.

Stolz auf das neue Buch: (v. l.) Wolfgang, Isabell und Heike Röhr sowie Eckart Redersborg

Wolfgang Röhr sieht es als „Mutmachbuch“, das zeigen soll: Es geht doch. Wie oft er sich hätte die Haare raufen können, als das Projekt Umbau Schloss Bernstorf bereits in Gange war, vermag er nicht zu zählen. Der Weg von der Ruine zum Hospiz steht nun in einem Buch geschrieben, das ab sofort im Handel und im Hospiz selbst erhältlich ist.

Die fünfjährige Entstehungsgeschichte – von 2010 bis 2014 – ist aufgezeigt. „Es ist ein wichtiger Abschnitt in meinem Leben, aber auch des Ortes“, erklärt der Geschäftsführer des Hauses, in dem bis zu 16 schwer kranke Patienten untergebracht werden können. Sogar aus Bayern kommen Menschen zum würdevollen Sterben nach Nordwestmecklenburg.

Beim Googeln auf das Schloss gestoßen

Der Beginn des Abenteuers liegt im August 2010. „Ich erinnere mich genau, es war ein Samstag, an dem ich mich tief frustriert an meinen Rechner gesetzt hatte und einfach drauf los ohne wirklichen Plan Immobilienangebote in Nordwestmecklenburg gegoogelt habe“, beschreibt Wolfgang Röhr in dem Buch. Wenige Tage zuvor hatte er für die Planungen eines Biohospiz in Boltenhagen eine Absage erhalten, nach seinen Angaben mit der Begründung, Sterbende könnten die Ferienatmosphäre stören.

Der Weg vor der Entscheidung, mit dem Projekt nach Nordwestmecklenburg zu gehen, war ohnehin beschwerlich. „Zunächst wollte ich in Schleswig-Holstein ein Hospiz eröffnen, aber die Krankenkassen machten mir unmissverständlich klar, dass es keinen Bedarf und dementsprechend keine Unterstützung gebe“, erinnert er sich. In Mecklenburg-Vorpommern ist Wolfgang Röhr, der seine Ehefrau an Krebs verlor, dagegen mit offenen Armen empfangen worden.

Im Internet stieß er auf das marode Schloss Bernstorf. Einen Tag später ist er vom Makler zum Besichtigungstermin eingeladen worden. „Ein modriger Geruch schlug uns entgegen und als wir hineingehen, sehen wir das Moos an den Wänden und das Wasser, das über das undichte Dach ins Gebäude dringt, in kleinen Rinnsalen die Wände herunterlaufen“, steht in dem Buch geschrieben. Röhr erkannt dennoch die Schönheit des Hauses und packte an.

Wieder ein Wessi?

Als Grevesmühlens Ortschronist Eckart Redersborg von den Umbaumaßnahmen in Bernstorf erfuhr, winkte er nur ab, wie er sich erinnert: Der dritte Investor, der sich an dem Schloss versucht   und dann noch ein Wessi. Aber jener Wessi – übrigens mit ostdeutschen Wurzeln – entpuppte sich für ihn als ein Mann mit Visionen, die er unbedingt erfüllt sehen will. Kein Schnacker eben.

Kalte Winter bis zu minus 20 Grad, Bangen um eine Finanzierungszusage, Schwammbefall bis ins Mauerwerk, Verdoppelung der Baukosten von dreieinhalb Millionen auf knapp sieben Millionen Euro, der Gang durch einen Dschungel von Vorschriften, Nachrüsten der Rauchmelder wenige Tage vor der Eröffnung – Gründe genug zum Haareraufen gab es wohl für Wolfgang Röhr.

„Ich werde auch heute noch immer wieder gefragt, wie wir das alles geschafft haben. Einer der größten Erfolgsfaktoren war unsere eingeschworene Mannschaft“, resümiert er. „Wir standen mehrmals vor dem Aus, so wie es im Übrigen eigentlich von Anfang an von dem verrückten Wessi erwartet wurde“, sagt er schmunzelnd. Aber er und seine heutige Frau Heike seien dann immer einem guten Rat gefolgt: wieder aufstehen, Krönchen richten und weitermachen.

Neu herausgekommen: Der Weg von einer Ruine zum Hospiz Schloss Bernstorf von Wolfgang Röhr
und seiner Tochter Isabell sowie Grevesmühlens Ortschronist Eckart Redersborg.

Viele Fotos enthält das Buch. Sie zeigen kurzweilig die im wahrsten Sinne des Wortes bunte Geschichte des Hauses. „Blicke ich auf die vergangenen neun Jahre zurück, ist das Projekt meines Vaters, ein Biohospiz in Mecklenburg-Vorpommern zu eröffnen und ein Märchenschloss aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken, eine schöne Vorstellung gewesen, die jetzt Wirklichkeit geworden ist“, erklärt seine Tochter Isabelle Röhr. Sie und ihr Bruder arbeiten im Hospiz.

Von Jana Franke

Erschienen am 18.12.2019 in Ostsee Zeitung

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